Equine Myobalance
Pferdephysiotherapie

Manuelle Lymphdrainage

 

Bei der manuellen Lymphdrainage (MLD) geht es nicht nur um die Behandlung dicker Beine, auch bei Bauchödemen (z.B. nach einer Kolik-OP) oder Sehnenerkrankungen ist eine Behandlung angezeigt. Die Indikationen sind sehr vielseitig und die Wichtigkeit wird oft noch unterschätzt.

Mit der manuellen Lymphdrainage wird der Lymphtransport und die Lymphbildung durch sanfte Handgriffe und Massagetechniken angeregt. Die manuelle Lymphdrainage ist nur ein Behandlungsschritt der komplexen Therapie. Die vier Therapiesäulen der komplexen physikalischen Entstauungstherapie (KPE) sind:

  1. Bewegung und Bewegungstherapie
  2. Manuelle Lymphdrainage
  3. Kompressionsverband (oder Kompressionsstrumpf)
  4. Haut- und Hufpflege

Durch die Lymphdrainage wird der Einfluss von Gewebsflüssigkeit in die Lymphgefäße gefördert und der Lymphfluss angeregt. Nur durch die Lymphdrainage werden Plasmaproteine (die aus dem Blut in das Gewebe ausgeschwitzt werden) in das Lymphsystem verlagert und abtransportiert. Dieser Antifibroseeffekt ist enorm wichtig für die Gesundheit des Gewebes. Dieser Effekt wird durch den Kompressionsverband, welcher nach der MLD angelegt wird, unterstützt. Kompressionsstümpfe sollten nur zur Prophylaxe bei Pferden mit Neigungen zu angelaufenen Beinen angewandt werden, oder bei "austherapierten" chronischen Phlegmonen. Der Kompressionsstrumpf verstärkt die Ausbildung von eiweißbedingten Gewebsverhärtungen und eine Anwendung ist daher zu Beginn der Therapie kontraindiziert.

Das Lymphsystem ist dem Venensystem parallel geschaltet. Lymphe werden in fast allen Organen des Körpers gebildet, dazu zählen auch die Haut, Sehnen und Muskeln (daher ist die MLD, als begleitende Therapie zu den tierärztlichen Maßnahmen, bei Sehnenschäden absolut sinnvoll um die Heilung zu unterstützen). Über die Lymphe werden Stoffe (Wasser, Elektrolyte, Eiweiße...) abtransportiert, die sich im Gewebe ansammeln. Am Ende des Lymphsystems (Linke Brust-Hals-Grenze) fließt die Lymphe über einen sog. Venenwinkel dann in das Venensystem zurück.  Die beiden Systeme beeinflussen sich gegenseitig und wenn eins erkrankt wird es nicht lange dauern, bis das nächste mitbetroffen sein wird.

Venen und Lymphgefäße besitzen nur wenige glatte Muskelzellen die den Transport erleichtern. Daher muss das System auf andere Mechanismen zurückgreifen. Die Haut des Pferdes dient als körpereigener Kompressionsstrumpf um den Flüssigkeitstransport der oberflächlich gelegenen Venen und Lymphgefäße zu unterstützen. Bei Verletzungen der Haut (z.B. durch Operationen oder Traumate) wird dieser Mechanismus beeinträchtigt. Durch verschiedene bewegungsabhängige Pumpsysteme (u.a. Lymphgefäßwandpumpe, Huf- und Fesselgelenkpumpe) wird vor allem die Lymphe in den Beinen transportiert. Diese Systeme funktionieren aber, wenn das Pferd ausreichend bewegt wird.

Dadurch ergeben sich viele unterschiedliche Faktoren die eine Lymphabflussstörungen begünstigen:

  • Bewegungsmangel!
  • Verletzungen der Haut und Lymphgefäße (durch Traumata wie Tritte, Bisse etc. oder durch Operationen (häufig bei Kastrationen oder Laparatomien der Bauchwand))
  • Verletzungsbedingte Einschüsse
  • Lymphgefäßfehlbildungen 
  • Quetschungen/ Stauungen des Lymphsystems (z.B. durch Bandagen, Stallbandagen)

Da die Lymphe durch den gesamten Körper bis zum herznahen Venenwinkel transportiert werden müssen entstehen die meisten Ödeme in Körperregionen, die am weitesten vom Venenwinkel entfernt liegen ( --> Hintergliedmaße).

Ödeme (der Gliedmaßen) lassen sich in drei Stadien einteilen, man spricht von dem equinen Lymphödemkomplex (ELK):

  1. Subakutes equines Lymphödem= angelaufene Beine
  2. Akutes equines Lymphödem= Phlegmone/ Einschuss
  3. Chronisches equines Lymphödem= Elefantenbein

Daraus ergibt sich, dass die angelaufenen Beine durchaus mehr sind als ein Schönheitsfehler. Sie sind ein Zeichen dafür, dass es Probleme im Lymphsystem gibt. Durch das nächtliche Anlegen von Stallbandagen wird der Lymphfluss unterbrochen und die Lymphgefäße auf Dauer geschädigt.

Die Indikationen für die Behandlung sind sehr vielseitig:

  • angelaufene Beine
  • chronische Phlegmone
  • bewegungsbedingte Myopathien/ Kreuzverschlag
  • Sehnenerkrankungen
  • Gallen
  • Posttraumatische/ postoperative Ödeme
  • Ödeme im Bereich der äußeren Geschlechtsorgane

 

Aber es gibt natürlich auch einige Kontraindikationen:

  • kardial bedingtes Ödem
  • Tumor
  • akute Phlegmone (nur unter systemischer Antibiotikatherapie)
  • Mauke (nur unter systemischer Antibiotikatherapie)
  • und einige spezielle Erkrankungen mehr